Donnerstag, 21. August 2008

leben.

Der Hochsommer ist vorrüber und es gilt ein Leben zu leben, eines, das schöner und aufregender und gleichzeitig schlichter nicht sein könnte. Ich fahre Fahrrad und genieße dabei die (mittlerweile schon schulterlangen) im Wind wehenden, blonden Haare, ich kaufe Schokolade und Melonensaft, bei dem ich später die Erfahrung machen musste, dass er ganz chemisch und unecht schmeckt, ich bin wieder ein bisschen mehr Mädchen geworden, habe mit zwei Flechtzöpfen über Nacht geschlafen um am Morgen und den Tag über ganz unregelmäßige wirre Locken zu haben, ich hab mir sogar ein Pflegeshampoo (mit integriertem Balsam!) gekauft, um die, noch immer von den früheren Dreadlocks strapazierten Haare zu revitalisieren, wie es so schön heißt, ich schaue Wolf Haas Filme im Fernsehen und rede über seine Bücher, tausche unterschiedliche Meinungen aus und wundere mich über die neugewonnene Aufmerksamkeit, ich sitze um 2 Uhr Nachts im Bustaxi neben meinem Nachbarn und ehemaligem Kindheitsfreund, und spreche ihn dann doch nicht an, außerdem klimpern an meinem Schlüsselbund jetzt drei Schlüssel mehr, drei Schlüssel, die eine verheißungsvolle Zukunft und das Studentenleben vorhersagen und immerwieder bemerke ich voll Freude:
Das Leben holt mich wieder ein. Und ich war schon lange nicht mehr so glückvoll, wie in diesen Wochen.

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O Leben, Leben, wunderliche Zeit
von Widerspruch zu Widerspruche reichend
im Gange oft so schlecht so schwer so schleichend
und dann auf einmal, mit unsäglich weit entspannten Flügeln, einem Engel gleichend: O unerklärlichste, o Lebenszeit.

Von allen großgewagten Existenzen
kann einer glühender und kühner sein?
Wir stehn und stemmen uns an unsre Grenzen
und reißen ein Unkenntliches herein,
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(Rainer Maria Rilke)

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